Oft gestellte Fragen (FAQ)

Ich führe bereits eine elektronische Krankengeschichte. Was ist der Unterschied zum elektronischen Patientendossier?

Das elektronische Patientendossier (EPD) ist ein virtuelles Patientendossier, welches lediglich Verweise auf den Ablageort der behandlungsrelevanten Daten der Patientinnen und Patienten enthalten. Gemeinschaften oder Stammgemeinschaften [1] nach dem Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) betreiben zu diesem Zweck sekundäre Ablagesysteme, welche unter anderem eine Kopie der relevanten Daten einer elektronischen Krankengeschichte enthalten. Erst beim Zeitpunkt des Zugriffs auf das EPD werden die Dokumente aus den sekundären Ablagesystemen abgerufen und zu einem Dossier zusammengefasst.

Alle gesetzlichen Pflichten (kantonale Gesundheitsgesetze sowie die FMH-Standesordnung), die mit dem Führen einer Krankengeschichte verbunden sind, bleiben hiervon unberührt [2]. Auch wenn eine Patientin ein EPD führt, kann die Ärztin daher nicht auf die Dokumentation in der Krankengeschichte verzichten.

Weitere Informationen stellt die Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen eHealth Suisse unter www.patientendossier.ch bereit.

 

Bin ich verpflichtet, am EPD teilzunehmen?

Das EPDG sieht den Grundsatz der doppelten Freiwilligkeit vor. Dieser Grundsatz gilt für Patientinnen und Patienten, die selbständig und nach schriftlicher Einwilligung entscheiden, ob sie am EPD teilnehmen möchten, sowie für Gesundheitsfachpersonen und ihre Einrichtungen [3]. Ausgenommen sind Leistungserbringer nach Artikeln 39 und49a Absatz 4 KVG [4], welche Leistungen zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) abrechnen. Nach Inkrafttreten des EPDG zum 15. April 2017 hat der Gesetzgeber eine Frist von drei Jahren vorgesehen, innert der sich Spitäler inklusive Rehakliniken und Psychiatrien ein EPD anbieten müssen. Für Geburtshäuser und Pflegeeinrichtungen gilt eine Frist von 5 Jahren.

Für ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte besteht zum jetzigen Zeitpunkt keine Pflicht am EPD teilzunehmen. Mit der KVG-Revision zur Zulassungssteuerung, die am 19. Juni 2020 verabschiedet wurde, wird die Zulassung zur OKP neu mit der Teilnahme am EPD verbunden. Die Revision tritt voraussichtlich am 1. Juli 2021 in Kraft. Zum jetzigen Kenntnisstand sind diejenigen Ärztinnen und Ärzte, die bereits nach geltendem Recht über eine unbefristete Zulassung verfügen, nicht von der Pflicht zur Teilnahme am EPD betroffen.

 

Wann wird das EPD in der Schweiz eingeführt?

Das EPDG ist seit dem 15. April 2017 in Kraft. Akutspitäler, Reha-Kliniken und stationäre Psychiatrien haben ab diesem Zeitpunkt drei Jahre Zeit sich einer zertifizierten Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft anzuschliessen. Die Frist für den Anschluss fällt somit auf den 15. April 2020 und gilt als Einführungstermin des EPD. Damit eine Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft den Betrieb aufnehmen und ein EPD anbieten kann, muss diese Zertifizierungsvoraussetzungen nach Art. 12 EPDG erfüllen. Aufgrund des aufwändigen Zertifizierungsverfahrens, Anpassungen von Ausführungsbestimmungen sowie aufgrund von Verzögerungen in der technischen Umsetzung innerhalb der Stammgemeinschaften oder Gemeinschaften konnte der Termin zum 15. April 2020 nicht eingehalten werden. Es ist davon auszugehen, dass die Zertifizierung von Stammgemeinschaften oder Gemeinschaften erst in einem Zeitraum zwischen Herbst 2020 und Frühling 2021 abgeschlossen werden kann. Erst dann können Patientinnen und Patienten ein EPD eröffnen.

 

Was ist der Unterschied zwischen einer Stammgemeinschaft und einer Gemeinschaft?

Bei Stammgemeinschaften oder Gemeinschaften handelt es sich um einen Zusammenschluss von Gesundheitsfachpersonen und deren Einrichtungen, die eine privatrechtliche Organisation bilden. Ärztinnen und Ärzte, die am EPD teilnehmen möchten, können sich dieser Organisation anschliessen. Patientinnen und Patienten können ein EPD nur in einer Stammgemeinschaft eröffnen. Eine Gemeinschaft muss hingegen keine Vorkehrungen vorsehen, die für eine Eröffnung eines EPD notwendig sind. Insbesondere entfallen Vorkehrungen für die Einwilligung, Eröffnung und Aufhebung eines EPD oder Kontaktstellen für Patientinnen und Patienten.

Ärztinnen und Ärzte, die sich einer Gemeinschaft anschliessen, erfüllen demnach die allfällige gesetzliche Pflicht zur Teilnahme am EPD, müssen jedoch keine umfängliche Aufgaben im Fall der Eröffnung eines EPD erfüllen.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, am EPD teilzunehmen?

Die Teilnahme am EPD ist mit dem Beitritt an eine Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft verbunden. Derzeit befinden sich neun Stammgemeinschaften und eine Gemeinschaft im Aufbau, die das Zertifizierungsverfahren gemäss EPDG begonnen haben. Eine Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft besteht aus einem Trägerverein sowie einer weiteren allfälligen Trägerorganisation und einer Betriebsgesellschaft, welche die technische Umsetzung für das EPD übernimmt. Auch wenn die Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft noch nicht zertifiziert ist, können Gesundheitsfachpersonen und deren Einrichtungen einem Trägerverein beitreten, jedoch noch kein EPD anbieten. Eine Übersicht der künftigen Stammgemeinschaften oder Gemeinschaften gemäss EPDG wird durch die Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen eHealth Suisse publiziert [5].

Die ärzteeigene Gemeinschaft AD Swiss bietet den Beitritt des Vereins AD Swiss Community [6].

 

 

[1] Botschaft EPDG, BBl 2013 5321, S. 5337: Als Gemeinschaft oder Stammgemeinschaft wird eine organisatorische Einheit von Gesundheitsfachpersonen und deren Einrichtungen bezeichnet, die an der Patientenbehandlung beteiligt sind und patientenbezogene Informationen erstellen und oder abrufen.
[2] Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften / Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (2020) Rechtliche Grundlagen im medizinischen Alltag. Ein Leitfaden für die Praxis. Seite 59ff.
[3] Botschaft EPDG, BBl 2013 5321, S. 5349
[4] SR 832.10
[5] https://www.e-health-suisse.ch/gemeinschaften-umsetzung/epd-gemeinschaften/gemeinschaften-im-aufbau.html
[6] https://www.ad-swiss.ch/verein-ad-swiss-community/wie/