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08.02.2021: Meldung von Covid-Impfdaten direkt aus dem Primärsystem

Je mehr Impfstoff gegen Covid-19 verfügbar ist, desto stärker werden ambulante Leistungserbringer in die nationale Impfkampagne einbezogen. Um die Ärzteschaft dabei administrativ zu entlasten, stellt AD Swiss eine Lösung bereit, mit der Covid-Impfdaten direkt aus dem Primärsystem ans BAG gemeldet werden können. Was es damit auf sich hat, verrät Peer Hostettler, Leiter Vertrieb AD Swiss und Mitglied der Geschäftsleitung von HIN.

 

AD Swiss: Die AD Swiss ist daran, die Übermittlung von Impfdaten ans BAG zu vereinfachen. Was hat es damit auf sich?

Peer Hostettler: Die Ärzteschaft hatte bereits vor Covid-19 alle Hände voll zu tun, nun ist sie auch noch bei der Bewältigung der Pandemie zusätzlich gefordert – etwa durch die bevorstehende Ausweitung der Impfkampagne auf ambulante Leistungserbringer. Dabei wollen wir die Ärztinnen und Ärzte so stark wie möglich entlasten – dafür setzen wir uns als ärzteeigener Anbieter ein.

 

Was kann AD Swiss zur Vereinfachung beitragen?

Bereitstellung und Übermittlung von Daten ist unser Kerngeschäft, darin haben wir eine einzigartige Expertise. Daher ist es für uns klar, dass wir dort etwas beitragen können und wollen. Medizinische Daten müssen nicht nur sicher übermittelt werden, sondern wenn immer möglich in einem Format, das eine einfache Weiterbearbeitung und Nutzung erlaubt. Dafür setzen wir auf offene Schnittstellen und standardisierte Austauschformate. Wenn dieser Austausch dann noch automatisiert erfolgen kann, sind wir bei einer echten Vernetzung der Systeme. Und damit bei einer signifikanten Entlastung der Akteure.

 

Wie funktioniert die vereinfachte Übermittlung der Impfdaten?

Wir haben einen bestehenden Service der AD Swiss, das AD Swiss Convenience Interface (ADS CI), um die Funktion der Impfdaten-Übermittlung erweitert. Damit können Ärztinnen und Ärzte neben eZuweisungen oder eRezepten neu auch Covid-Impfungen aus ihrer Praxissoftware heraus erfassen und an das Impfmonitoring des Bundes übermitteln. Das Primärsystem sendet hierfür die aggregierten Daten an das ADS CI. Von dort werden die Daten sicher ans BAG-Monitoring übermittelt. Das ADS CI generiert zudem einen Impfnachweis für den Patienten mit allen vom BAG vorgegebenen Daten und liefert diesen an das Primärsystem zurück. Die Ärztin oder der Arzt kann diesen dann der Patientin oder dem Patienten aushändigen.

 

Was müssen Leistungserbringer unternehmen, welche die Lösung einsetzen wollen, und kostet das etwas?

Den Nutzern entstehen keine Kosten – abgesehen vom HIN Anschluss, den es für die Authentisierung beim ADS CI braucht und den ja die meisten bereits haben. Da die Schnittstelle zum ADS CI allen Anbietern von Primärsystemen offen steht, werden bald weitere Anbindungen hinzu kommen. Ärztinnen und Ärzte fragen daher am besten bei ihrem Softwareanbieter nach.

Update (Stand 26.02.2021): Anbieter und Kantone

Die Praxissoftwares folgender Anbieter unterstützen die Lösung bereits:

  • Ärztekasse (CB10)
  • Vitodata
  • amétiq
Folgende Kantone haben AD Swiss als Meldeeinheit autorisiert:

  • Glarus
  • Obwalden

 

Weitere Informationen:

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18.01.2021: AD Swiss, HCI Solutions und Medi24: Gesetzeskonforme elektronische Arztrezepte sind nun auch in der Schweiz erhältlich

Rezepte werden bis heute entweder von Hand ausgestellt oder auf Papier gedruckt und mit einer rechtsgültigen Unterschrift eines Arztes versehen. Am 1. Januar 2020 ist Artikel 51 der eidgenössischen Arzneimittelverordnung (VAM) in Kraft getreten. Dieser ermöglicht das elektronische Übermitteln von Rezepten.

Die AD Swiss und HCI Solutions haben eine sichere Lösung entwickelt, welche die Anforderungen erfüllt. Die Medi24, führender Telemedizinanbieter der Schweiz, startet als erste ausstellende Arztpraxis mit einem Piloten.

Der Arzt authentisiert sich via seinem HIN Anschluss, auf Basis seiner EPDG-konformen elektronischen Identität (gesetzeskonform), und erstellt ein eRezept. Danach wählt der Patient eine Apotheke aus, die das verschlüsselte eRezept erhalten soll.

Zu Beginn der Pilotphase befinden sich Galenicare Apotheken (Amavita, Coop Vitality und Sunstore) und MediService im System. Das System ist aber offen für alle Apotheken, die sich beteiligen möchten. Mit dieser Offenheit gehen die AD Swiss und HCI Solutions neue Wege. Grundvoraussetzung ist, dass der Patient jederzeit absolut freie Apothekenwahl geniesst.

Damit vereinfacht sich der Umgang mit Rezepten für alle Beteiligten. Unnötige Abholungen von Papierrezepten in der Arztpraxis – wie auch Scannen, Faxen und Mailen – entfallen. Das System ist gegen Missbrauch und Mehrfacheinlösung sehr gut geschützt.

 

Kontakt

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28.12.2020: Interview mit CEO Michael Fickenscher in «DEFACTO»

«DEFACTO», das Magazin der MCO Argomed, hat in der Ausgabe vom Dezember 2020 ein Interview mit AD Swiss Geschäftsführer Michael Fickenscher sowie Hausarzt Gregor Dufner und Lukas Wenger, Leiter E-Health Argomed, publiziert. Hier die Aussagen unseres CEO in Auszügen:

  • Zum Prinzip der «doppelten Freiwilligkeit»:
    «Das EPD ist das Ergebnis einer politischen Willensbildung. Das müssen wir so akzeptieren wie es ist, ohne es zu bewerten. Ich bezweifle zudem, dass der Zwang die bessere Alternative ist. Die AD Swiss bietet ein günstiges EPD für ambulante Leistungserbringer, auch wenn es noch nicht Pflicht ist. Und wir haben Mitglieder, die eigentlich nicht müssen.»
     
  • Zur Akzeptanz digitaler Lösungen bei Gesundheitsfachpersonen und Bevölkerung:
    «Ich bin überzeugt, dass der Nutzen des EPD im Verlauf der Zeit in allen Kreisen zunehmend erkannt wird [… und] dass die Akzeptanz in den nächsten Jahren zunehmen wird, nicht zuletzt, weil die Patienten konkret erfahren werden, was die Digitalisierung im Alltag für Vorteile bringt.»
     
  • Zum Nutzen des EPD für Patienten und Leistungserbringer:
    «Der Gesetzgeber hat das EPD primär aus der Perspektive des Patienten konzipiert. Das heisst: Der Patient bestimmt, welche Dokumente ins EPD kommen und welche nicht und welche Leistungserbringer diese einsehen dürfen. Neben dem EPD bieten die (Stamm-)Gemeinschaften sog. Zusatzdienste an. Bei der AD Swiss kann man diese heute schon nutzen, wie z.B. die eZuweisung oder das eRezept. Hier wird der konkrete Nutzen für Leistungserbringer entstehen. Die für den Patienten interessanten Dokumente können dann von den Zusatzdiensten automatisch ins EPD geladen werden.»
     
  • Zur aktuellen Entwicklung im Bereich E-Health:
    «Wir sind gut unterwegs und stossen auf offene Ohren und auf eine gewisse Experimentierbereitschaft, vor allem auch seitens der Leistungserbringer und ihrer Verbände. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil ein eHealth-System von der Basis her entwickelt und aufgebaut werden muss. Das ist politisch nachhaltiger und stabiler. Auch im Hinblick auf künftige Investitionen in die Digitalisierung der Medizin.»

Das ganze Interview finden Sie in «DEFACTO» 03/2020 (PDF) ab S. 13.

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23.12.2020: Zeit der Dankbarkeit und der Vorfreude

Liebe Mitglieder, Partner und Interessierte

Wir blicken auf ein turbulentes Jahr zurück, in dem ein Thema nicht nur das Gesundheitswesen, sondern unser aller Leben dominiert hat. Gleichwohl wurde im Dezember auch das elektronische Patientendossier (EPD) mit der Zertifizierung der ersten Stammgemeinschaften Realität.

Auch die AD Swiss ist bereit, mit der EPD-Gemeinschaft zu starten. Unsere eigene EPD Plattform mit Portal, Schnittstellen und allen notwendigen Komponenten wurde fertig entwickelt. Ein motiviertes Team arbeitet mit unseren kompetenten Partnern an der Finalisierung und Zertifizierung der Prozesse und Evidenzen. Wir freuen uns über das Erreichte und danken allen Beteiligten für ihren grossen Einsatz.

Sobald unser Zertifizierer, die SQS, die Akkreditierung erhalten hat, werden auch wir uns in die Riege der zertifizierten (Stamm-)Gemeinschaften einreihen. Dies erfolgt unmittelbar nach Abschluss des Witness-Audits der SQS mit der Stammgemeinschaft Axsana.

Wir freuen uns darauf, im neuen Jahr als erste national tätige EPD-Gemeinschaft der Schweiz unsere Mitglieder und Kunden auf dem Weg der Digitalisierung des Gesundheitswesens zu begleiten. Unser Fokus liegt dabei besonders darauf, den ambulanten Leistungserbringern einen einfachen und günstigen Zugang zum EPD zur Verfügung zu stellen.

Bei Ihnen, geschätzte Kunden, Mitglieder und Partner, die Sie uns auf diesem Weg bisher unterstützt haben, möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken. Wir wünschen Ihnen schöne Feiertage und ein gesundes neues Jahr.

Ihr AD Swiss Team

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14.12.2020: AD Swiss bietet FHIR-Schnittstelle für COVID-19 Befundmeldungen

Bisher müssen SARS-CoV-2-Befunde dem BAG einzeln per Formular gemeldet werden. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, diesen Prozess zu vereinfachen. Und wir liefern: Die AD Swiss bietet angeschlossenen Primärsystemen ab sofort die Möglichkeit, Befunde FHIR-basiert an das BAG zu melden.

 

Funktionsweise

Das Primärsystem sendet das vom BAG spezifizierte Dokument an das AD Swiss Convenience Interface (ADS CI). Dieses Befund-Dokument wird auf der AD Swiss Plattform abgelegt und so der Abruf durch das BAG-System sichergestellt. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die regelkonforme Authentisierung der Gesundheitseinrichtungen und -fachpersonen gelegt, die Informationen übermitteln. Dies wird mittels HIN Identitäten vom Typ Person und Institution gewährleistet.

 

Weitere Vereinfachung in Umsetzung

Um den Aufwand für die Primärsystem-Anbieter weiter zu reduzieren, wird das ADS CI um einen COVID Convenience Service erweitert, der automatisch die benötigten Berechtigungen vergibt. Der COVID Convenience Service steht voraussichtlich ab Januar 2021 zur Verfügung.

 

Praxisnahe Lösungen mit der AD Swiss Community

Die FHIR-basierte Lösung zur Befund-Übermittlung ist im Umfeld der AD Swiss Community entstanden. Allen an AD Swiss angeschlossenen Primärsystem-Anbietern steht die Schnittstelle ab sofort zur Verfügung. Für mehr Informationen oder bei Interesse an einer Zusammenarbeit nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

 

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22.10.2020: Von den Getriebenen zur ­treibenden Kraft

Die Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD) lässt auf sich warten. Das muss kein Nachteil sein, bietet der Aufschub doch die Chance für weitere Verbesserungen aus fachlicher Perspektive. Zudem stehen – im Rahmen des EPD und komplementär dazu – ärzteeigene Angebote bereit, die den medizinischen Nutzen ins Zentrum stellen.

Der folgende Beitrag der AD Swiss Verwaltungsräte Yvonne Gilli und Lucas Schult ist zuerst in der Schweizerischen Ärztezeitung 2020;101(43) erschienen.

 

Aktuell leben wir im Zeitalter der elektronischen Patientendossiers. Gemäss Bundesgesetz über das Elektronische Patientendossier (EPDG) müssten alle Akut-
spitäler, Reha-Kliniken und stationären Psychiatrien seit dem 15. April 2020 das EPD anbieten. Eigentlich. Doch das EPD ist noch nicht operativ – voraussichtlich nicht vor 2021 – und darum ist auch noch wenig davon zu spüren ausser allenthalben Verunsicherung.

Dass sich der Start des EPD verzögert, liegt dem Vernehmen nach an der komplexen Zertifizierung der Stammgemeinschaften und der wohl nicht minder kniffligen Akkreditierung der Zertifizierer. Immerhin bietet der verzögerte Start die Chance, einige Kons-
truktionsfehler des EPD quasi auf der Zielgeraden noch zu korrigieren [1].

Das Dossier des Patienten

Zunächst gilt es, mit einem Missverständnis aufzuräumen. Wie der Name schon sagt, wurde das EPD vom Gesetzgeber als Dossierder Patienten konzipiert[2]. Es soll den Patientinnen und Patienten die Souveränität über ihre Daten gewähren, welche bisher in den Aktenschränken und Computern der Leistungserbringer liegen – zwar wohl verwahrt, aber für die Patientinnen und Patienten intransparent und erschwert zugänglich. Das EPD soll ihnen die Möglichkeit geben, den Zugang zu ihren gesundheitsrelevanten Dokumenten selbst zu steuern, und sie befähigen, «die im EPD zugänglichen Informationen zu sichten, daraus Fragen abzuleiten und diese mit Fachpersonen zu klären» [3]. Die Förderung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung ist denn auch eines der fünf gesundheitspolitischen Ziele in der Strategie eHealth Schweiz 2.0 [4].

Soweit so gut. Damit wird aber deutlich, dass das EPD als patientenzentriertes Sekundärsystem a priori kein Instrument für die Ärzteschaft ist. Das EPD umfasst denn auch keine auf Gesundheitsfachpersonen zugeschnittenen Zusatzdienste, keine strukturierten Daten, keine Tiefenintegration mit dem Primärsystem der Ärztin oder des Arztes [5]. Sogar die ungeregelte Finanzierung – gemäss eHealth Suisse müssen EPD-Anbieter «selbst eine tragfähige Finanzierung für das EPD finden»[6] – lässt sich so erklären.

 

Nutzen für Ärzteschaft und Patienten

Dieser Beitrag soll beileibe kein Plädoyer gegen ein patientenzentriertes EPD sein. Vielmehr wollen wir da-
rauf hinweisen, dass das EPD den Patientinnen und Patienten erst den ersehnten Nutzen bringen wird, wenn es auch für die Gesundheitsfachpersonen einen Mehrwert generiert und z. B. durch erleichterte interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit einen positiven Einfluss auf die Qualität und die Effizienz der medizinischen Versorgung hat.

Die FMH hat in der Vergangenheit verschiedentlich darauf hingewiesen, dass das EPD für Leistungserbringer – zumindest im jetzigen Kleid – einen sehr beschränkten Nutzen haben wird. Jedoch müssen wir rückblickend konstatieren, dass die Ärzteschaft die Entwicklung des EPD lange von aussen beobachtet hat und Zeit brauchte, geeignete Instrumente der Mitgestaltung zu finden. Zusätzlich erschwerend ist die behördlich geführte «top down»-Umsetzung, in die praktizierende Ärzte und Ärztinnen weder in der strategischen noch in der operativen Führung eingebunden sind.

 

E-Health ohne ambulante ­Leistungserbringer?

Die erste Strategie eHealth Schweiz des Bundes von 2007 entwarf die Vision, dass die Bevölkerung mittels geeigneter Informatikmittel «im Gesundheitswesen den Fachleuten ihrer Wahl unabhängig von Ort und Zeit relevante Informationen über ihre Person zugänglich machen und Leistungen beziehen» sowie «sich aktiv an den Entscheidungen in Bezug auf ihr Gesundheitsverhalten und ihre Gesundheitsprobleme beteiligen» können solle. Darin ist unschwer der Kern des heutigen EPD zu erkennen. Wie die frei praktizierende Ärzteschaft in die neu entstehende System- und Prozesslandschaft eingebunden werden sollte, liess die Strategie offen.

Dabei zeichnete sich bereits seit der Jahrtausendwende zunehmend ab, dass in vielen von Kantonen oder Spitälern angestossenen E-Health­-Projekten die Perspektive der ambulanten Leistungserbringer noch unterberücksichtigt blieb. Freischaffenden Ärztinnen und Ärzten drohte, zwischen Politik und IT eingeklemmt oder gar von der Entwicklung abgehängt zu werden. 2012 startete daher im Kanton St. Gallen mit «Ponte Vecchio» ein explorativer Modellversuch mit Managed-Care-Versicherten und dem Anwendungsfall «Austrittsbericht», bei welchem explizit auf ambulante Leistungserbringer fokussiert wurde. In diesem Rahmen wurde 2014 auch eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die klären sollte, welche Daten denn «behandlungsrelevant» sind (beim Austrittsbericht z. B. Wundberichte) – eine Frage, die uns auch heute noch beim EPD beschäftigt [7].

Eine Nasenlänge voraus wurde in der Romandie zur gleichen Zeit das bereits ambitiösere Pilotprojekt «e-toile» überführt in «MonDossierMedical». Heute bietet die Universität Genf für Ärztinnen und Ärzte bereits eine postgraduale Weiterbildung mit Masterabschluss in Medizininformatik an.

 

Von «Ponte Vecchio» zur AD Swiss

Das Versuchslabor «Ponte Vecchio» sollte auch zeigen, ob die ärzteeigene HIN in der Lage sei, eine E-Health-Basisinfrastruktur für die freie Ärzteschaft zu betreiben. Dass es eine solche brauchte, war und ist unbestritten, da entsprechende Investitionen von Einzel- oder Gruppenpraxen nicht allein gestemmt werden können [8]. Das Fazit aus «Ponte Vecchio», dass auch HIN eine solche Infrastruktur nicht ohne Partner aus dem Boden stampfen konnte, mündete schliesslich in die Gründung der AD Swiss mit dem Ziel, selbstbestimmt die ambulanten Leistungserbringer an der digitalen Zukunft teilhaben zu lassen.

Ebenfalls 2014 konstituierte sich auf Initiative der FMH die Interprofessionelle Arbeitsgruppe Elektronisches Patientendossier (IPAG EPD), nachdem die Erkenntnis gereift war, dass man sich nicht auf die technische Umsetzung verlassen wollte und man die Notwendigkeit erkannte, einen breit abgestützten fachlichen Input zum EPD leisten zu müssen. Die IPAG hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Bereich E-Health die Bedürfnisse der unterschiedlichen Berufsgruppen aus acht Verbänden zu koordinieren, zu bündeln und mit gemeinsam getragenen Lösungen einen Beitrag zu einer nutzen-
orientierten Einführung des EPD zu leisten. Dies durchaus mit Erfolg, wie etwa die Berichte zu eMedikation und eToC (Transition of Care) zeigen, die Ende 2015 an eHealth Suisse übergeben wurden [9].

Die Ärzteschaft kann und muss ­mitgestalten

Die genannten Beispiele (nebst vielen anderen) zeigen, dass die Ärzteschaft – sei es allein oder mit Partnern – massgeblich Einfluss nehmen kann. Das gilt ebenso für ambulante Leistungserbringer. Auch für freischaffende Ärztinnen und Ärzte ist eine Teilnahme am EPD daher – auch wenn vorderhand noch freiwillig – von Beginn weg möglich. Denn eine Teilnahme bringt ihnen nicht nur den damit verbundenen Wissensvorsprung, sondern eben auch die Möglichkeit der Mitgestaltung.

Wo Anwendungsfälle (z. B. eMediplan, eRezept) noch zu wenig an der Realität der praxisärztlichen Tätigkeit orientiert sind, arbeiten bereits heute Gremien aus Leistungserbringern und Primärsystemanbietern wie der entsprechende Arbeitskreis der AD Swiss an der Vereinfachung durch integrierte Anbindungen [10]. Darüber hinaus steht mit der AD Swiss EPD Gemeinschaft eine Gemeinschaft bereit, die einen niederschwelligen und kostengünstigen Zugang zum EPD und hilfreiche Zusatzdienste bietet. Die Gemeinschaft befindet sich derzeit wie alle (Stamm-)Gemeinschaften im Zertifizierungsprozess. Parallel dazu wird bspw. gerade die Brücke zur Romandie gebaut, sodass einer Zusammenarbeit der AD Swiss mit den Stammgemeinschaften nichts im Weg steht.

Unserer Ansicht nach können gerade Ärztinnen und Ärzte – auch im Interesse ihrer Patientinnen und Patienten und als deren Vertrauenspersonen – zu einer treibenden Kraft im Bereich E-Health werden, indem sie sich das EPD und/oder die komplementären «Zusatzdienste» als Instrument der ärztlichen Tätigkeit aneignen und die Entwicklung aus fachlicher Perspektive in die richtige Richtung lenken. Ob das EPD dereinst ein Erfolg wird, weiss niemand. Das Rad «E-Health» lässt sich jedoch nicht zurückdrehen. Die Ärzteschaft hat hier und jetzt die Chance, diese Entwicklung in ihrem Sinne zu gestalten.

 

Literatur

1 Yvonne Gilli: Verzögerung als Chance. Schweizerische Ärztezeitung 2020;101(36):1056 (DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2020.19184)

2 Der Zweckartikel des EPDG nennt neben Behandlungsqualität, Patientensicherheit und Effizienz explizit die Förderung der «Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten»: Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) vom 19. Juni 2015 (Stand am 15. April 2020) (https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20111795/index.html)

3 Tania Weng-Bornholt, Urs Zanoni et al.: Whitepaper «Gesundheitskompetenz und das elektronische Patientendossier: Wie Stammgemeinschaften ein bürgernahes und nutzenorientiertes EPD fördern können». Aarau 2019 (https://www.e-health-suisse.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente/2019/D/190527_Gesundheitskompetenz-EPD_Whitepaper_d.pdf)

4 Strategie eHealth Schweiz 2.0 2018 –2022. Ziele und Massnahmen von Bund und Kantonen zur Verbreitung des elektronischen Patientendossiers sowie zur Koordination der Digitalisierung rund um das elektronische Patientendossier. Bern 2018 (https://www.e-health-suisse.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente/2018/D/181214_Strategie-eHealth-Suisse-2.0_d.pdf)

5 Die vom Gesetzgeber festgelegten Minimalanforderungen beziehen sich auf einen portalbasierten Zugang, d. h. eine Website. Dem gegenüber steht der Bedarf des Gesundheitspersonals einer Tiefenintegration mit den bestehenden Primärsystemen.

6 https://www.patientendossier.ch/de/gesundheitsfachpersonen/informationen/haeufige-fragen/was-kostet-das-epd (abgerufen am 29.09.2020)

7 Yvonne Gilli: Die Ärzteschaft in der EPD-Haftungsfalle? Schweizerische Ärztezeitung 2019;100(48):1600 (https://saez.ch/article/doi/saez.2019.18444)

8 Urs Stoffel: Für eine digitale Zukunft der Gemeinschaft der Ärztinnen und Ärzte. Schweizerische Ärztezeitung. 2014;95(33):1171 (DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2014.02896)

9 Gert Printzen: IPAG – Interprofessionelle Zusammenarbeit auch im Jahr des Affen. Schweizerische Ärztezeitung 2016;97(02):45 (DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2016.04350)

10 Die AD Swiss Community (ADSC) ist ein Zusammenschluss technischer, medizinischer und administrativer Dienstleister und Leistungserbringer. Der Verein versteht sich als Inkubator für die Umsetzung praktikabler Digitalisierungsvorhaben (https://www.ad-swiss.ch/verein-ad-swiss-community/).

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17.09.2020: Elektronisches Patientendossier: Der Zentralvorstand der FMH empfiehlt Ärztinnen und Ärzten den Anschluss an die «AD Swiss EPD Gemeinschaft»
Ärztinnen und Ärzte, die am elektronischen Patientendossier EPD teilnehmen möchten, müssen sich einer Gemeinschaft oder Stammgemeinschaft anschliessen. Die FMH empfiehlt ihren Mitgliedern den Anschluss an die ärzteeigene «AD Swiss EPD Gemeinschaft».

Ende 2019 haben die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH, die Health Info Net AG HIN und die Ärztekasse die «AD Swiss EPD-Gemeinschaft» gegründet. Dies ermöglicht es Ärztinnen und Ärzten nun, sich einer ärzteeigenen EPD-Gemeinschaft anzuschliessen.

Niederschwelliger Zugang und hilfreiche Zusatzdienste

Der Zugang zum EPD erfolgt bei der «AD Swiss EPD Gemeinschaft» über eine den Vorgaben des EPD entsprechende HIN-Identität. Weil ein Grossteil der Ärzteschaft bereits über eine HIN-Identität verfügt, können Ärztinnen und Ärzte so mit besonders geringem Aufwand auf das EPD zugreifen.

Neben der Kompatibilität zum EPD, welche durch die «AD Swiss EPD Gemeinschaft» ermöglicht wird, entwickelt die «AD Swiss EPD Gemeinschaft» weitere nutzenbringende Zusatzdienste, wie zum Beispiel ein elektronisches Rezept, das beim Anschluss an die «AD Swiss EPD Gemeinschaft» ebenfalls genutzt werden kann.

Grosse Mitgestaltungsmöglichkeiten zu tiefen Kosten

Da die FMH sowohl an der HIN AG wie auch an der AD Swiss Net AG beteiligt ist, entstehen für die Ärzteschaft grosse Mitgestaltungsmöglichkeiten. Die Dienstleistungen der «AD Swiss EPD Gemeinschaft» können ausserdem sehr kostengünstig angeboten werden.

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27.01.2020: Elektronisches Patientendossier: Gemeinschaft AD Swiss gegründet
Mit der Gründung der ärzteeigenen «AD Swiss EPD Gemeinschaft» sind die Mediziner nun auch Anbieter für das elektronische Patientendossier (EPD) in der Schweiz. Freischaffende Ärztinnen, Pflegende und Therapeuten können sich mit AD Swiss einfach und sicher dem EPD-Vertrauensraum anschliessen.

Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH, die Health Info Net AG (HIN) und die Ärztekasse haben am 19.12.2019 den Verein «AD Swiss EPD Gemeinschaft» gegründet. Im Vorstand vertreten sind Claudia Brenn (Direktorin Ärztekasse) und Lucas Schult (Geschäftsführer Health Info Net AG) unter Vorsitz von Yvonne Gilli (FMH Zentralvorstand).

Ziel und Zweck der neuen Gemeinschaft

Die Arbeiten für die Zertifizierung gemäss Gesetzgebung elektronisches Patientendossier (EPDG) sind bereits im Gange. Ziel ist es, den Mitgliedern dieses Jahr den gesetzeskonformen Zugang zu den Dossiers ihrer Patienten zu ermöglichen. Die «AD Swiss EPD Gemeinschaft» fokussiert insbesondere auf die niedergelassenen Ärzte, obwohl diese gesetzlich noch nicht zur Teilnahme am EPD verpflichtet sind.

Yvonne Gilli, Präsidentin des Vereins «AD Swiss EPD Gemeinschaft», erklärt: «Wir sind überzeugt, dass die ambulanten Leistungserbringer beim Digitalisierungsprozess im Gesundheitswesen eine wichtige Rolle spielen. Um den spezifischen Bedürfnissen der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte gerecht zu werden, war die Gründung einer eigenen Gemeinschaft mit eigenen Prozessen und Dienstleistungen eine logische Schlussfolgerung.»

Das Alleinstellungsmerkmal der «AD Swiss EPD Gemeinschaft» ist ihre Einbettung in etablierte Strukturen. So verfügt ein Grossteil der Ärztinnen und Ärzte bereits über einen HIN-Anschluss, der auch für den Zugang zum EPD verwendet werden kann. Dazu Lucas Schult, Geschäftsführer von HIN und Vorstandsmitglied des Vereins: «Dank der Synergien zwischen HIN und der AD Swiss ermöglichen wir es den berechtigten Gesundheitsfachpersonen, einfach und sicher auf die Dossiers ihrer Patienten zuzugreifen».

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13.01.2020: AD Swiss Partner Helmedica wächst

Unser strategischer Partner Helmedica bietet mit «Rockethealth» eine Software an, die Ärztinnen und Ärzte unter anderem darin unterstützt, die Krankengeschichte von PatientInnen zu dokumentieren.

Helmedica ist zusammen mit AD Swiss sowohl technisch als auch inhaltlich an der Entwicklung der App «BENECURA» der SWICA beteiligt – der ersten medizinischen App eines Krankenversicherers in der Schweiz. Die App wird auf der sicheren AD Swiss Plattform als Service bereitgestellt.

Wie der Landbote berichtet, ist Helmedica mittlerweile zu einem Unternehmen mit 22 Mitarbeitenden herangewachsen und will auch in Zukunft weiterwachsen.

Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Helmedica und wünschen weiterhin viel Erfolg.

 

Artikel «Digital-Health-Start-up wächst im Technopark» im Landbote vom 10.01.20

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20.08.2019: Gesundheitsapp von HIN Partner Helmedica mit erweiterten Funktionen
Die im Mai 2018 lancierte SymptomCheck-App BENECURA wurde u.a. um eine Fotofunktion und Symptome, z.B. bei Burnout, erweitert. Mit der App, die bereits über 60’000 Mal heruntergeladen wurde, kann digital direkt auf die kostenlosen telemedizinischen Dienstleistungen von santé24 zugegriffen werden.

Depression/Burnout, Schlafprobleme, Heuschnupfen, Hautbefunde, Lymphknotenschwellungen: Für diese zusätzlichen Symptome bietet die SmptomCheck-App BENECURA neu Empfehlungen an, die von einem medizinischen Expertengremium erarbeitet wurden. «SWICA-Versicherten, die eines dieser Symptome eingeben, werden einfach verständliche Fragen gestellt, die das Problem eingrenzen. Sind alle Fragen beantwortet, erhält die Person eine Empfehlung für das weitere Vorgehen: ein Besuch beim Hausarzt, der Gang zur Apotheke, ein Anruf bei santé24 oder auch einfach nur abwarten und beobachten, ob die Symptome mit den erhaltenen Tipps gelindert werden können. Wir möchten zur Selbsthilfe befähigen», erklärt Dr. Silke Schmitt Oggier, medizinische Leiterin bei santé24, die Zielsetzung der App.

Innovative Gesundheits-App – sicher dank AD Swiss 

BENECURA wurde auf Basis von Rockethealth, einer Software der Helmedica AG, entwickelt. Die App wird auf der sicheren AD SwissPlattform als Service bereitgestellt und durch deren Support betreut. Swica und Helmedica sind Mitglied in der AD Swiss Community.

Neu mit Fotofunktion für weiterführende telemedizinische Beratung

In rund 40 Prozent der Fälle, in denen der SymptomCheck aufgerufen wird, kommt es zu einem anschliessenden Austausch mit einem Gesundheitsberater oder Arzt von santé24 – rund um die Uhr. Mit der neuen Fotofunktion können für die Beurteilung betroffene Körperbereiche direkt fotografiert und hochgeladen werden. Die Fotos werden aus Datenschutzgründen nicht auf dem Mobilephone des Nutzers gespeichert, sondern innerhalb des BENECURA-Dossiers, auf das nur der Versicherte Zugriff hat.

 

Download der App ab 18 Jahren

Seit der Lancierung im Mai 2018 wurde die App bereits über 60’000 Mal heruntergeladen. BENECURA schlägt dem Versicherten auf der Basis seines Grundversicherungsmodells automatisch die passenden Leistungserbringer wie z.B. Arzt oder Apotheke vor. Ausserdem können via App Therapeuten und Spitälern gesucht werden. Auch Kunden, die lediglich ihre Zusatzversicherung bei SWICA haben, können die App nutzen. Für den Download der App ist das Mindestalter von 18 Jahren erforderlich. In der App können weitere Familienmitglieder als Nutzer angelegt werden. Der SymptomCheck kann für Personen ab 16 Jahren durchgeführt werden. Bei jüngeren Kindern wird an die Elternhotline von santé24 verwiesen, da die Krankheitssymptome von Kindern oft nicht präzis eingegeben werden können und sich ihr Gesundheitszustand sehr rasch ändern kann; beides Faktoren, die ein erhöhtes Risiko darstellen.

 

Datenschutz jederzeit gewährleistet

Die App speichert die Daten verschlüsselt in einem Dossier, das nur die versicherte Person einsehen kann. Die anwendbaren Rechtsvorschriften zum Schutz von besonders schützenwerten Personendaten und zur Datensicherheit werden stets eingehalten. SWICA selber hat zu keinem Zeitpunkt Einblick in die Daten. Die versicherte Person entscheidet im Einzelfall, ob sie zum Beispiel einem Arzt von santé24 Einsicht auf die im SymptomCheck bereits gemachten Angaben gewähren will. Dies ist empfehlenswert, da die Fachperson bei santé24 damit schon wichtige Vorinformationen zum aktuellen Gesundheitszustand hat, was im weiteren Gespräch Zeit spart. Die Angaben unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.

Das Update der App, die 2018 mit einem Best of Swiss Apps Award ausgezeichnet wurde, ist für SWICA-Kunden ab sofort auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch im App Store und bei Google Play verfügbar. Für die Registrierung sind die Angaben der Versicherungspolice erforderlich.

 

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